Wer in der Schule Französisch gelernt hat, tut sich später mit dem Italienischen oder Spanischen leicht. Dass sich die deutsche Sprache so stark von den als romanisch bezeichneten unterscheidet, ist leicht zu erklären: Im ersten Jahrhundert v. Chr. eroberte das römische Imperium ganz Westeuropa, von der Atlantikküste bis zum Rhein. Die Kultur der in Gallien – dem heutigen Frankreich, Belgien, der Westschweiz und Teilen Südwestdeutschlands – lebenden keltischen Völker verschwand in den folgenden 200 Jahren, wurde weitgehend von der römisch-italischen verdrängt; selbst die keltische Sprache verschwand und wurde durch die lingua Latina und die romanischen Tochtersprachen ersetzt.

Dieser als »Romanisierung« bezeichnete Prozess war weitaus radikaler als etwa die kulturelle Überfrachtung in den europäischen Kolonien des 19. Jahrhunderts oder die Amerikanisierung der Ureinwohner Nordamerikas. Archäologen verschiedener europäischer Einrichtungen tragen derzeit die Resultate ihrer Forschung zusammen, um diesen Vorgang besser zu verstehen. Wichtige neue Erkenntnisse lieferten insbesondere Ausgrabungen der letzten Jahre, die mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft beiderseits des Mittelrheins, im antiken Siedlungsgebiet des keltischen Volks der Treverer und ihrer östlich lebenden germanischen Nachbarn durchgeführt wurden.

Das römische Imperium war keineswegs die erste Macht des Mittelmeerraumes, die Kontakt zu den »Barbaren« nördlich der Alpen aufnahm. Griechen und Etrusker lieferten im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. Wein und Trinkgeschirr von Italien und Südfrankreich aus in das heutige Württemberg oder Burgund. Zudem gelangten, wahrscheinlich als diplomatische Geschenke, kostbare Prunkgefäße, wie der berühmte Bronzekessel aus dem Fürstengrab von Hochdorf zu den Kelten. Welche Produkte im Gegenzug den Weg nach Süden nahmen, wissen wir leider noch nicht. Mit dem Handel einher ging auch ein Kulturimport. Die Kelten übernahmen Sitten, Techn