Thor Heyerdahls »Kon-Tiki« segelte mitten durch die Kinderzimmer und die Träume vieler Erwachsener. Die Fahrt dieses im Stil der Inkas gebauten Floßes aus Balsaholz hat in Menschen aller Kontinente Fernweh und Abenteuerlust geweckt. Und das Antlitz des gleichnamigen Sonnengotts Kon-Tiki auf dem Segel ist den Lesern des wohl populärsten Expeditionsberichts aller Zeiten nach sechs Jahrzehnten immer noch vertraut – Lesern, die mit Heyerdahl fieberten, wenn er schrieb: »Links sehe ich die mächtige blaue See mit ihren schäumenden Wogen, die sich in endlosem Lauf vorbeiwälzen. Rechts liegt in einer dämmrigen Hütte, die seit Wochen unsere Heimstatt ist, ein bärtiges Individuum auf dem Rücken, liest Goethe und gräbt seine bloßen Zehen nachdenklich zwischen die Querleisten des niedrigen Bambusdachs.«

Im Frühjahr 1947 treibt und segelt Kon-Tiki vom peruanischen Callao aus in gemächlichem Tempo Richtung Polynesien – über etwa viertausend Seemeilen offenen Pazifik, am Heck die norwegische Flagge. »Vor der Hütte arbeiten drei andere Kerle in der prallen Sonne auf dem Bambusdeck«, erzählte Heyerdahl in seinem Bestseller, »sie sind halbnackt, braungebrannt und bärtig, mit Salzkrusten auf dem Rücken und mit einer Miene, als hätten sie nie etwas anderes getan, als den Pazifik auf einem Floß überquert.«